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1. Vorsitzender Eugen W. Krammig, Am Maintor 8, 63456 Hanau - Steinheim am Main
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 Russische Friedenskräfte in Südossetien und Abchasien auf verstärkten Dienst umgestellt

 

Moskau , Die russischen Friedenseinheiten in Südossetien und Abchasien werden zur Neujahrfeier auf verstärkten Dienst umgestellt. Das teilte der Sprecher des Befehlshabers der russischen Landstreitkräfte, Oberst Igor Konaschenkow, am Montag RIA Novosti mit.

 

?Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in Georgien am 5. Januar Präsidentenwahlen stattfinden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Wahlkampagne von destruktiven Kräften zur Organisierung von Provokationen gegen die Friedenstruppe genutzt werden könnte?, sagte Konaschenkow.

 

Ihm zufolge sind an den Sicherheitsposten Audio-, Foto- und Videoapparaturen zur Kontrolle über die Situation und zur dokumentarischen Registrierung eventueller Vorkommnisse aufgestellt.

 

Der Befehlshaber der Landstreitkräfte hoffe, dass die Behörden und die Rechtsschutzorgane von Georgien, Abchasien und Südossetien alle notwendigen Maßnahmen treffen werden, um Zwischenfälle zu verhindern, so Konaschenkow.

 

31.12.2007  RIA Novosti

 

 Saakaschwili verspricht Wiederherstellung territorialer Integrität Georgiens nach Wahlsieg

 

Tiflis , Michail Saakaschwili verspricht im Falle seines Sieges bei der Präsidentenwahl am 5. Januar 2008, die territoriale Integrität des Landes wieder herzustellen sowie Abchasien und Südossetien unter die Rechtshoheit von Georgien zurückzuführen.

 

?Ich werde dem nächsten Präsidenten ein vereinigtes Georgien hinterlassen?, sagte er am Donnerstag in einer Talkshow im georgischen TV-Sender Rustawi-2.

 

Der Präsidentenkandidat bot seinen politischen Opponenten an, für die Entwicklung des Landes gemeinsam zu arbeiten. Die Journalistin Inga Grigolija, Moderatorin der Talk-Show, übergab Saakaschwili symbolisch ein rotes Tuch (Rot ist die Farbe der regierenden Partei ?Nationale Einheitsbewegung?) als Geschenk der oppositionellen Koalition.

 

?Rot ist die Farbe unserer Flagge und unserer Partei und Weiß ist auch eine Farbe unserer Flagge und das Symbol der vereinigten Opposition. Möge es niemandem gelingen, die rote und die weiße Farbe voneinander zu trennen?, sagte Saakaschwili.

 

28.12.07  RIA Novosti

 

 Georgien: Präsidentenkandidat Patarkazischwili bereit zum Ausstieg aus dem Wahlrennen - MEHR

 

Tiflis , Der georgische Präsidentenkandidat Arkadi (Badri) Patarkazischwili ist bereit, auf die Teilnahme an den vorgezogenen Präsidentenwahlen am 5. Januar 2008 zu verzichten.

 

?Ich bin bereit, auf die Teilnahme an den Präsidentenwahlen zu verzichten, und will einen entsprechenden Antrag bei der Zentralen Wahlkommission einreichen?, heißt es in einer in London abgegebenen Erklärung, die von der Pressestelle des georgischen Unternehmers veröffentlicht wurde.

 

Wie der Leiter des Wahlstabes von Patarkazischwili, Gotscha Dschodschua, zuvor mitteilte, ist Patarkazischwili bereit, auf die Teilnahme an den Wahlen zu verzichten, wenn auch Michail Saakaschwili, der sich um eine zweite Amtszeit als Präsident bewirbt, seine Kandidatur zurückzieht.

 

?Diese Entscheidung würde mir nicht schwer fallen, denn ich habe meine eigenen Interessen nie über die Interessen des Landes gestellt. Ich danke den Menschen, die Vertrauen zu mir gehabt haben. Sie müssen nicht resignieren, und ich lasse alle meine Versprechungen gelten, die ich dem georgischen Volk gegeben habe?, heißt es in der Erklärung.

 

Patarkazischwili ist sich einer Niederlage von Saakaschwili bei der Präsidentenwahl sicher und ruft die georgischen Wähler auf, ?sich zusammenzuschließen und gemeinsam den Sieg zu erreichen?.

 

Wie die Pressestelle von Patarkazischwili mitteilte, ist demnächst seine Videoansprache an die georgische Bevölkerung zu erwarten, die von den georgischen Fernsehgesellschaften aus London übertragen werden soll.

 

Die georgische Generalstaatsanwaltschaft hatte vor mehreren Tagen Dokumente veröffentlicht, denen zufolge Patarkazischwili Massenunruhen in Georgien vorbereitet hatte. Aus den der Anklagebehörde vorliegenden Video- und Audioaufzeichnungen geht hervor, dass Patarkazischwili dem Direktor des Operativen Sonderdepartements des georgischen Innenministeriums, Erekle Kodua, 100 Millionen US-Dollar für die Neutralisierung des Innenministers Wano Merabischwili und für die Vereitelung der Wahlen durch Provokationen angeboten hatte.

 

Patarkazischwili hat den Fakt einer solchen Verschwörung anerkannt und Erläuterungen dazu gegeben. Ihm zufolge hat er den ranghohen Beamten des Innenministeriums bestechen wollen, damit dieser alle Kampfeinheiten der Behörde unter seine Kontrolle bringe und sie daran hindere, ?auf das Volk zu schießen?, das im Falle eines Wahlsieges von Saakaschwili am ersten Tag nach den Wahlen, dem 6. Januar, zur Teilnahme an Protestaktionen auf die Straße gehen würde.

 

27.12.07  RIA Novosti

 

 Chef der Labourpartei Georgiens warnt vor Comeback Saakaschwilis als Präsident

 

Tiflis , Der Präsidentenkandidat und Chef der Labourpartei Georgiens, Schalwa Natelaschwili, bittet die Außenminister der EU-Länder, Ex-Präsident Michail Saakaschwili, der für die zweite Amtszeit kandidiert, zu überzeugen, auf die Beteiligung an den Wahlen am 5. Januar 2008 zu verzichten.

 

Das teilte die Nachrichtenagentur Novosti-Grusia mit.

 

?Ich rufe unsere Freunde - Außenminister der EU-Länder und alle, die Michail Saakaschwili für ein Vorbild der Demokratie in Osteuropa gehalten haben, - auf, bis zum 5. Januar nach Tiflis zu kommen, mit dem Terroristen und Diktator Konsultationen durchzuführen und ihn zu überzeugen, auf die Wahlbeteiligung zu verzichten. Dadurch werden wir eine Destabilisierung und eine Explosion nicht nur in Georgien, sondern auch in der ganzen Region vermeiden?, sagte Natelaschwili auf einer Pressekonferenz in Tiflis.

 

Ihm zufolge werden der ganze Staatsapparat und die bewaffneten Strukturen für politischen Druck, Fälschungen, Repressionen, Morde und Terror für ein Comeback Saakaschwilis als Präsident genutzt. ?All das wird im Land unbedingt einen großen Volkswiderstand mit unumkehrbaren Folgen auslösen. Danach kann sich die Einmischung unserer Freunde als zu spät erweisen?, betonte der Chef der Labourpartei.

 

Die vorgezogene Präsidentenwahl in Georgien war nach den Massenunruhen im November in Tiflis angesetzt worden. Nach Angaben des georgischen Gesundheitsministeriums wurden am 7. November bei den Zusammenstößen etwa 600 Menschen verletzt. 30 von ihnen waren Polizisten.

 

Später wurde der Ausnahmezustand über das Land verhängt, der am 16. November wieder aufgehoben wurde.

 

27.12.07  RIA Novosti

 

 Präzedenzfall Kosovo: Abchasien und Südossetien bitten Russland um Anerkennung

 

Moskau , Abchasien und Südossetien haben Außenminister Sergej Lawrow zufolge Russland mehrmals gebeten, ihre Unabhängigkeit anzuerkennen, nachdem die USA und EU die Absicht bekundet haben, der Eigenstaatlichkeit des Kosovo zuzustimmen.

 

"Was Aufrufe zur Anerkennung der Selbständigkeit von Südossetien und Abchasien betrifft, so gingen solche Bitten und Appelle bei uns ein. Sie wurden in der Staatsduma behandelt. Das ist eine objektive Tatsache - einen solchen Antrag haben wir", sagte Lawrow am Freitag in einem Interview für den russischen TV-Sender "Westi 24".

 

"Wir möchten nicht, dass sich die Situation in Richtung einseitiger Unabhängigkeitserklärungen entwickelt, und da wir eine solche Entwicklung nicht wollen, betonen wir, dass das Kosovo zu einem Präzedenzfall unvermeidlich wird", so der Minister.

 

Er fügte hinzu, dass die Verantwortung diejenigen zu tragen hätten, die versuchen, absolut unbegründet das Kosovo als einen einmaligen Fall zu erklären, und dass sich so etwas in anderen Ecken des Erdballs nicht wiederholen könne.

 

Die EU- und US-Vertreter haben im UN-Sicherheitsrat am 19. Dezember nach der Diskussion über die Zukunft des Kosovo bekanntgegeben, dass die Verhandlungen gescheitert seien und dass die Frage nun deshalb in der EU und der NATO entschieden werden müsse.

 

"Die Europäische Union kann nicht die UNO ersetzen. In der EU besteht die Einsicht, dass dieser Weg unheilbringend ist, selbst unter den Ländern, die meinen, dass es zu der Gewährung der Unabhängigkeit dem Kosovo keine Alternative gibt", betonte Sergej Lawrow.

 

UN-Vetomacht Russland hat die Position Serbiens unterstützt, das eine Änderung seiner Grenzen unter Umgehung der UN-Charta ausschließt. Die Verhandlungen im UN-Sicherheitsrat befinden sich derzeit nach allgemeiner Einschätzung in einer Sackgasse.

 

Das Kosovo gehört seit dem Angriff der NATO im Jahre 1999 formell zu Serbien, steht jedoch unter UN-Verwaltung. Grund für den Einmarsch der NATO-Truppen waren Auseinandersetzungen zwischen Albanern und Serben.

 

Die albanische Mehrheit fordert die Unabhängigkeit der Provinz ohne Zustimmung Belgrads. Die USA und die europäischen Staaten unterstützen eine international kontrollierte Unabhängigkeit des Kosovo. Serbien lehnt jede Form von Unabhängigkeit der Provinz ab und bietet statt dessen weitgehende Autonomierechte an.

 

22.12.07  RIA Novosti

 

 Abchasiens Präsident Bagapsch nach Moskau gereist

 

Suchum , Der Präsident der Republik Abchasien, Sergej Bagapsch, ist am Freitag zu einem Arbeitsbesuch nach Moskau geflogen.

 

Das teilte die Pressestelle des abchasischen Staatschefs mit. Zurzeit hält sich bereits Eduard Kokojty, der Präsident der Republik Südossetien, in Moskau auf.

 

Vor kurzem hatte Russlands Parlamentspräsident Boris Gryslow mitgeteilt, die Staatsduma wolle im Januar mit der Anerkennung Abchasiens und Südossetiens zusammenhängende Fragen erörtern.

 

21.12.07  RIA Novosti

 

 PACE für friedliche Lösung der Konflikte um Abchasien und Südossetien

 

Moskau , Die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE) tritt für eine friedliche Regelung der territorialen Probleme Georgiens ein, sagte der PACE-Vorsitzende René van der Linden am Freitag in einer Pressekonferenz in Moskau.

 

?Was das Problem der eingefrorenen Konflikte betrifft, so hoffen wir, dass es auf friedlichem Wege ohne Gewaltanwendung gelöst werden kann?, äußerte er.

 

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Duma, Konstantin Kossatschow, unterstrich die Wichtigkeit der Äußerungen des PACE-Chefs.

 

?Wir halten die Erklärung bezüglich der Notwendigkeit, die eingefrorenen Konflikte mit politischen Methoden und ohne Gewaltanwendung zu lösen, für sehr wichtig?, sagte er.

 

Kossatschow zufolge hat Moskau sich mehrmals mit dem Vorschlag an Tiflis gewandt, die gewaltfreie Lösung der Konflikte in Abchasien und Südossetien vertraglich festzulegen.

 

Er betonte, die georgische Führung habe dies bis dato verweigert.

 

21.12.07  RIA Novosti

 

 «Die Realitäten anerkennen»

 

Ungelöster Streit um Kosovo ? Drohungen Russlands

 

New York , Im Konflikt um Kosovo zeichnet sich keine Lösung ab. Russland will weiter verhandeln und droht mit der Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien. Die EU geht von der baldigen Ausrufung der Unabhängigkeit Kosovos ausIm UNO-Sicherheitsrat sind in der Nacht auf gestern die unversöhnlichen Vorstellungen Serbiens und der Kosovo-Albaner deutlich geworden. Die Kosovo-Albaner lehnen jede Lösung ab, die nicht ihre staatliche Unabhängigkeit enthält. Serbien ist nur zu einer Autonomie bereit

 

Der Sicherheitsrat ist blockiert, weil die Veto-Macht Russland als Verbündeter Serbiens jede Lösung für Kosovo ablehnt, die nicht die Zustimmung der Regierung in Belgrad hat.

 

Zückerchen für Belgrad

 

«Kosovo ist ein europäisches Problem, nicht so sehr eines der USA oder Russlands», sagte Sloweniens Aussenminister Dimitrij Rupel gestern in Brüssel. Er bekräftigte die Mehrheitsmeinung in der EU, dass die Anerkennung eines unabhängigen Kosovos unausweichlich sei: «Wir sind bereit, die Realitäten anzuerkennen, wie sie im Westbalkan bestehen.» Slowenien wolle aber gleichzeitig die Annäherung der EU an Serbien vorantreiben: «Wir wollen, dass Serbien so schnell wie möglich EU-Mitglied wird», sagte Rupel.

 

Das russische Aussenministerium betonte Anfang Woche nochmals, der Verhandlungsspielraum sei aus der Sicht Moskaus noch nicht ausgeschöpft. Indem die USA und einzelne europäische Länder Bereitschaft gezeigt hätten, auch eine einseitige Unabhängigkeitserklärung Kosovos anzuerkennen, hätten sie «destruktive Signale» nach Pristina gesandt und einen Verhandlungserfolg im voraus verhindert.

 

Zuspitzung im Südkaukasus?

 

Russland drohte, die abtrünnigen georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien an Russlands Südgrenze könnten ihre Unabhängigkeit erklären, wenn Kosovo vorpresche. Als Folge drohe dann möglicherweise eine militärische Antwort Georgiens. Russlands übergeordnetes Ziel ist dabei, dass durch solches Vorgehen Georgien der Weg in die Nato versperrt bleibt. (ap/cf)

 

21.12.2007  St Galler Tagblatt

 

 Russland wird Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen müssen - Russlands Presse

 

Moskau , Russland besteht auf weiteren Verhandlungen zwischen Belgrad und Pristina ohne Zeitbegrenzung, bis eine Kompromisslösung für den Kosovo-Status gefunden wird.

 

Experten prognostizieren außenpolitische Folgen der Unabhängigkeit des Gebietes bei ihrer einseitigen Ausrufung.

 

Alla Jaskowa, Leiterin des Zentrums für Mittelmeer- und Schwarzmeerraum am Europa-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften, zieht eine Parallele zwischen dem heutigen Versuch, 15 Prozent des Territoriums von Serbien ohne dessen Zustimmung abzutrennen, und dem Münchner Abkommen von 1938, als Deutschland unter Duldung von Großbritannien und Frankreich die Tschechoslowakei zergliederte.

 

Die Expertin äußerte, dass die Anhänger der Unabhängigkeit des Kosovo die Realität in Betracht ziehen müssen: Die Erklärung der Unabhängigkeit vor den im Januar/Februar bevorstehenden Präsidentenwahlen in Serbien "birgt die Gefahr in sich, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit der serbische Nationalist Tomislav Nikolic zum Präsidenten gewählt wird", und das wäre, schreibt die Expertin, "der Prolog zum Beginn einer bewaffneten Konfrontation".

 

Der Ex-Botschafter Jugoslawiens in Russland Borislav Milosevic kommentierte seinerseits die Situation wie folgt: "Die Taktik der Westmächte in Bezug auf den Status ist dadurch bedingt, dass sie Boris Tadic als Kandidaten für den Posten des Präsidenten von Serbien unterstützen."

 

Das "Zuckerbrot" für die serbischen Anhänger der Integration in Europa soll das Protokoll über die Assoziierung Serbiens mit der EU sein. Seine Unterzeichnung ist für den 28. Januar angesetzt.

 

Alexander Rahr, Direktor der Russland- und GUS-Programme der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: "Die Resolution des UN-Sicherheitsrates, die die Unabhängigkeit des Kosovo billigt, ist irreal. Russland könnte sich bestenfalls der Stimme enthalten. Nachdem Pristina die Unabhängigkeit verkündet haben wird, werden viele Länder es anerkennen. Die USA noch am selben Tag. Doch diese Frage wird die gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union spalten, wie das bei der Invasion im Irak 2003 war. Eine solche Wendung wird die EU schwächen.

 

Das Scheitern der Kosovo-Resolution im UN-Sicherheitsrat wird sich auf die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen nicht ernsthaft auswirken. Wer hat Nordzypern, Taiwan anerkannt? Wer erkannte die DDR in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts an? Die Leidenschaften tobten, aber die Beziehungen zu Ostdeutschland wurden trotzdem unterhalten.

 

Im Laufe einiger Jahre wird das Kosovo von Russland und einigen anderen Ländern nicht anerkannt werden. Die EU wird das Kosovo letzten Endes anerkennen, und nach etwa zehn Jahren, bei seinem Beitritt zur EU, wird Russland das Kosovo automatisch anerkennen."

 

Quellen: ?Nesawissimaja Gaseta? vom 20.12.07, ?Wremja Nowostej? vom 20.12.07

 

20.12.07  RIA Novosti

 

 Interview mit Schewardnadse: Gorbatschow und Jelzin beschleunigten UdSSR-Zerfall

 

Moskau , Der frühere UdSSR-Außenminister Eduard Schewardnadse hat RIA Nowosti ein Interview gewährt.

 

Das Gespräch zwischen Schewardnadse und dem Redaktionsleiter des RIA-Novosti-Büros in Georgien, Bessik Pipija, fand am Vorabend des Jahrestags der Unterzeichnung der Erklärung über das Ende der UdSSR und der Gründung der GUS in dessen Residenz Krzanissi statt.

 

RIA Novosti: Eduard Amwrossijewitsch, am 21. Dezember 1991 unterzeichneten die Leiter von elf Sowjetrepubliken die Erklärung über das Ende der UdSSR und die Bildung der GUS. Was ging diesem Ereignis voraus? Finden Sie, dass die Umwandlung der Sowjetunion in die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten unvermeidlich war - wenn ja, warum?

 

Schewardnadse: Ende der 80er Jahre lief die ganze Entwicklung auf den Zerfall der Sowjetunion hin. Beschleunigt wurde er auch noch durch die Konfrontation zwischen Gorbatschow und Jelzin. Gorbatschow war natürlich für eine einheitliche Sowjetunion, Jelzin war bereits Präsident von Russland. Möglicherweise war auch er für die Erhaltung der Sowjetunion, aber er und Gorbatschow hassten sich unverhohlen. Wir, die in ihrer Nähe waren, versuchten sie auf irgendeine Weise miteinander auszusöhnen und dem unangenehmen Gerede ein Ende zu setzen. Daraus wurde nichts.

 

Dann wurde die Entwicklung durch die Verschwörung gegen Gorbatschow, genauer, gegen den Präsidenten der UdSSR, beschleunigt. Zuvor war ich zurückgetreten. Das Außenministerium, dem ich vorstand, setzte sich zu ungefähr 30 Prozent aus Mitarbeitern des KGB zusammen. Von ihnen bekam ich die Information, dass eine Konterrevolution in Vorbereitung sei. Ich sprach mit einigen Leuten darüber, konnte jedoch keinen überzeugen. So reichte ich aus Protest gegen diese Konterrevolution meinen Rücktritt ein.

 

Ich ergriff das Wort und sagte, das werde die kürzeste Ansprache meines Lebens sein. Eine Diktatur sei im Anzug, und niemand wisse, was das für ein Diktator sei, wer komme, was mit der Perestroika, der Demokratie usw. sein werde. Man bat mich doch zu bleiben, aber ich verließ den Sitzungssaal, stieg in meinen Wagen ein und fuhr nach Hause.

 

Etwa anderthalb Monate später reiste Gorbatschow nach Foros auf der Krim zur Erholung. Aber unterwegs machte er, wie ich annehme, einen Abstecher nach Minsk. Dort traf er sich mit den Funktionären, sagte, dass die Gefahr einer Diktatur real sei, und bat die Perestroika-Anhänger, wachsamer zu sein und der Diktatur den Weg zu versperren.

 

Dann kam das GKTschP (Staatliches Komitee für den Ausnahmezustand - d. Red.), die Beziehungen zwischen dem Präsidenten Russlands und dem der UdSSR spitzten sich noch mehr zu. Der Zerfall des Staates war nicht mehr aufzuhalten.

 

RIA Novosti: Eduard Amwrossijewitsch, Georgien trat der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zwei Jahre nach ihrer Gründung bei. War das ein gezwungener Schritt oder eine freiwillige Entscheidung?

 

Schewardnadse: Ich strebte nicht nach der Mitgliedschaft in der GUS, eigentlich hatte ich keinen besonderen Wunsch, ihr beizutreten. Denn als ich ihre Satzung gelesen hatte, sah ich: Eine solche Organisation konnte die UdSSR nicht ersetzen. Aber Jelzin bestand sehr darauf, rief mich mehrmals an und sagte: Ich rate Ihnen zum Beitritt zur GUS. Ich war nicht dagegen, aber in Georgien gab es zu der Zeit bereits ein Parlament, dessen Abgeordnete zu 30 bis 40 Prozent gegen den Beitritt zur GUS waren, da sie diese mit der UdSSR assoziierten.

 

Etwa zwei Jahre später war ich in Moskau, besuchte Jelzin und sagte, ich bin trotz der Widersprüche im Parlament bereit, der GUS beizutreten. In Abchasien und Südossetien war die Entwicklung tragisch, und ich glaubte, dass die Lösung des Problems von Russland abhängen werde.

 

RIA Novosti: Diese Probleme wurden, wie sich später erweisen sollte, für viele Jahre auf Eis gelegt, aber vor kurzem sagte der dritte georgische Präsident Michail Saakaschwili, er könne binnen dreier Monate Südossetien unter Georgiens Jurisdiktion stellen.

 

Schewardnadse: Weiß ich nicht. Dasselbe sagte übrigens auch sein Freund, der Ex-Verteidigungsminister. Daraus wurde nichts. Zur Zeit läuft der Wahlkampf, die Präsidentschaftskandidaten geizen nicht mit Versprechungen jeder Art. Er sagte, dass er auch Suchum (Hauptstadt Abchasiens - Anm. der Redaktion) zurückholen werde. Aber so einfach wird das nicht sein - nur durch Russland. Wenn eine Einigung mit Russland erzielt wird, wenn es gelingt, für Georgien, Abchasien und Russland gleichermaßen annehmbare Varianten auszuarbeiten, könnte auch eine Lösung gefunden werden.

 

Ich sprach mehrmals mit Putin. Ich bin überzeugt, dass man sich mit Putin einigen kann, obwohl gegenwärtig die Beziehungen zwischen Russland und Georgien höchst kompliziert sind. Putin hält sein Wort.

 

Einmal, als sich Putin zur Erholung in Sotschi befand, rief er mich an und lud mich ebenfalls in den Urlaub ein, schlug auch vor, wichtige Angelegenheiten zu besprechen. Ich reiste hin, wir trafen uns. Putin schlug mir vor, die Bahnstrecke durch Abchasien wieder aufzubauen, damit die Züge bis nach Baku, Jerewan und sogar in die Türkei durchfahren könnten. Ich hatte keine Einwände und bat ihn meinerseits, zur Rückkehr der Flüchtlinge in den Kreis Gal beizutragen. In diesem Kreis lebten zur Sowjetzeit 80 000 Menschen, hauptsächlich Georgier. Der reiche Kreis ernährte dank dem Anbau von Tee, Zitrusfrüchten und seinen Nüssen beinahe halb Abchasien. Putin nahm den Hörer und rief den Befehlshaber der Friedenskräfte, einen russischen General, an. Diesem sagte er: Ich habe erfahren, dass dort in den mingrelischen Gebieten die Einwohner des Kreises Gal leben. Ich gebe dir den Auftrag, diese Menschen zusammenzuziehen und in den Kreis Gal zurück zu befördern, denn ich habe dem georgischen Präsidenten das Wort gegeben und will nach ein paar Tagen kontrollieren, wie du diesen Auftrag erfüllst. Und wirklich: 50 000 oder 60 000 Flüchtlinge kehrten in den Kreis Gal zurück, wenn auch nicht alle zusammengebracht werden konnten.

 

RIA Novosti: Kehren wir zur Sowjetunion zurück. Wie denken Sie, ist es möglich, eine solche Struktur wiederzubeleben?

 

Schewardnadse: Ein kategorisches Nein. Nicht Georgien allein ist unabhängig, alle Staaten sind es geworden. Kasachstan zum Beispiel, ein überaus reiches Land, dessen Bodenschätze das ganze Mendelejew-System bergen, wird wohl kaum auf seine Unabhängigkeit verzichten. Zudem ist es ein Land, in dem sich Nasarbajew zum ewigen Präsidenten auf Lebenszeit ausgerufen hat.

 

RIA Novosti: Hat die GUS eine Zukunft?

 

Schewardnadse: Doch, wenn diese Organisation wirklich handlungsfähig sein und die Situation im GUS-Raum real beeinflussen wird. Das ist möglich.

 

RIA Novosti: Eduard Amwrossijewitsch, lassen Sie uns von UdSSR und der GUS zum unabhängigen Georgien wechseln. Über Ihren Rücktritt als georgischer Präsident kursieren viele Gerüchte. Die einen sagen, Saakaschwili sei Ihr Zögling, Sie hätten ihm auf diese Weise, mittels der "Rosenrevolution", absichtlich die Macht übergeben. Andere sagen, Sie hätten weder Kräfte noch Mittel gehabt, um die Kundgebungen zu unterdrücken. Wieder andere schließlich behaupten, Moskau habe Sie dazu gezwungen. Wie sah es in Wirklichkeit aus?

 

Schewardnadse: Moskau hat damit nichts zu tun.

 

RIA Novosti: Warum kam zu jener Zeit der damalige russische Außenminister Igor Iwanow nach Georgien?

 

Schewardnadse: Igor Iwanow kam als mein Freund. Er traf sich zuerst mit der Opposition, dann trafen wir beide uns. Aber er konnte nichts zu meinen Gunsten unternehmen. Darauf bat er mich, ihm ein Flugzeug zu überlassen, flog nach Batumi und von Batumi nach Moskau zurück. Damit war seine ganze Mission beendet.

 

Ich stand auf der Tribüne im Parlament und hielt eine Rede, als die Verschwörer Saakaschwili, Schwanija und andere gewaltsam in den Saal eindrangen. Ich sah Menschen, die mit Maschinenpistolen, Pistolen, Messern und Knüppeln bewaffnet waren...

 

RIA Novosti: Und wo waren die Rosen?

 

Schewardnadse: Überhaupt nicht da. Ich weiß nicht, wieso das als Rosenrevolution bezeichnet wurde. Ich habe keine einzige Rose gesehen.

 

Als die Lage gefährlich wurde, führte mich die Wache natürlich in den Hof hinaus. Dort sah ich einerseits die Anhänger der Opposition und andererseits meine Anhänger, etwa 2500 Menschen. Man sagte mir, dass ich durchhalten müsse und nicht weichen dürfe und dass sie am nächsten Tag 100 000 Menschen zu meiner Unterstützung zusammenziehen würden.

 

Ich bewertete die Ereignisse als einen versuchten Staatsumsturz und verkündete den Ausnahmezustand. Darauf stieg ich in den Wagen und fuhr nach Hause. Im Wagen aber kamen mir die Gedanken: Ja, ich kann das tun, weil ich Präsident und Oberbefehlshaber bleibe, und die Armee muss den Befehl des Oberbefehlshabers ausführen. Die Armee hat Kanonen, Panzer, es ist keine sehr große Armee, aber ausreichend bewaffnet. Natürlich wird die Armee siegen. Doch wird es auf dieser und auf jener Seite Tote geben. Ich sage mir: Was ist der Unterschied für dich als Georgiens Präsident, ob die Menschen auf jener Seite oder auf dieser Seite sterben?"

 

Aus dem Wagen rief ich die Kanzlei an und verlangte, den Erlass über den Ausnahmezustand aufzuheben. Ich komme nach Hause, und da sagt mir meine Frau gleich bei meiner Ankunft: "Was willst du anrichten? Ich weiß sehr gut, was der Ausnahmezustand bedeutet. Willst du etwa ein Blutvergießen?" Ich sage ihr: ?Es wird kein Blutvergießen geben, aber du musst wissen, dass ich ab morgen nicht mehr Präsident bin, ich trete zurück.? Mein Sohn rief aus Paris an, er ist in der UNESCO tätig. Er fragte: ?Vater, wird Blut vergossen werden?? Ich sagte, dass es zu keinem Blutvergießen kommen werde. Darauf lud ich die Verschwörer - Schwanija und Saakaschwili - zu mir ein. Zu ihnen sagte ich: Kinder, was gestern vorgekommen ist, wissen sie. Was werden wir aber weiter tun, wie werden wir damit leben?

 

Schwanija sagte: ?Der am wenigsten schmerzlose Ausweg wäre der Rücktritt des Präsidenten. Aber wir sind Ihre Zöglinge und dürfen Ihnen das nicht zumuten. Ich sage: ?Dann verlieren wir unnütz die Zeit. Ich habe schon gestern beschlossen: Ab heute bin ich nicht mehr Präsident. Wenn meine Ratschläge euch helfen können, stehe ich jederzeit zur Verfügung.?

 

Etwas später fanden die Wahlen statt, Schwanija wurde Ministerpräsident, und dann wurde er getötet.

 

RIA Novosti: Wurde er getötet oder vergiftete er sich mit Gas?

 

Schewardnadse: Getötet. Zuerst hieß es, er habe sich mit Gas vergiftet, als aber nicht nur unsere Experten, sondern auch welche aus Amerika eingeladen wurden, bestätigten die Experten die Gasvergiftung nicht. Wo er getötet wurde und wie das geschah, weiß ich nicht.

 

RIA Novosti: Eduard Amwrossijewitsch, wie erklären Sie das, was Anfang November dieses Jahres in Tiflis vorgekommen ist?

 

Schewardnadse: Das Volk hungert. Ich weiß, auch in Russland sind nicht alle reich, es gibt bestimmte Probleme in einigen Regionen. Aber gehungert wird in Russland nicht, und das ist unter anderem ein Verdienst Putins. Er ist ein intelligenter, sachkundiger Mensch und hat die Angelegenheiten in Russland auf eine Weise gelenkt, dass das Volk in Russland anständig lebt. Bei uns aber herrschen absolutes Elend und Hunger.

 

RIA Novosti: Und wie schätzen Sie die Reaktion der Behörden ein?

 

Schewardnadse: Als mitgeteilt wurde, dass sich das Volk in Tiflis versammelt, hätte der Präsident noch am selben Tag vor das Volk treten und mit ihm sprechen sollen. Hätte er wenigstens die Hälfte davon versprochen, was er jetzt verspricht, ja auch nur ein Drittel davon, so wäre die Menge auseinandergegangen. Dann wäre nichts davon geschehen, was geschehen ist.

 

Und erst die Schließung des Fernsehkanals "Imedi"! Das ist überhaupt Barbarei, in keinem einzigen Land wird mit dem Fernsehen so verfahren. Sagt das US-Fernsehen etwa nur Gutes über Präsident Bush? Er wird immer wieder bezichtigt und kritisiert. Aber weder in Amerika noch übrigens in einem anderen Land wurden Fernsehkanäle geschlossen.

 

RIA Novosti: Wie beurteilen Sie die Kräftekonstellation bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Georgien? Wer von den Präsidentschaftskandidaten kann Ihrer Meinung nach real den Bürgern mehr Nutzen bringen?

 

Schewardnadse: Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Volk Saakaschwili wählen wird. Doch die Opposition wird sich nicht unbedingt damit abfinden - es sind recht starke Persönlichkeiten vertreten, die von vielen unterstützt werden. Wenn Saakaschwili die Niederlage erleidet, weiß niemand, wie er sich verhalten wird. Ich meine, dass es wieder zu Unruhen und der Gefahr eines Bürgerkriegs kommen kann.

 

RIA Novosti: Und was sagen Sie zu Badri Patarkazischwili?

 

Schewardnadse: Badri ist dank mir nach Georgien gekommen. Nach ihm wurde gefahndet, ebenso wie nach einem anderen, Beresowski.

 

Zu Badri unterhielt ich gewisse Beziehungen. Genauer tat das unsere Botschaft in der Russischen Föderation. Wenn auf dem russischen Fernsehkanal ORT, wo er damals geschäftsführender Direktor war, eine negative Sendung über Georgien vorbereitet wurde, brauchte man nur Badri anzurufen, und diese Sendung wurde nicht ausgestrahlt.

 

Übrigens sagte ich Putin gelegentlich: Dem Menschen, nach dem ihr fahndet, haben wir einen georgischen Pass gegeben und als Bewohner von Tiflis angemeldet. Putin fragte, ob ich Beresowski meinte. Nein, sagte ich, ich meine Badri Patarkazischwili. Ach so, Badri, sagte Putin, nein, Badri sei kein schlechter Mensch, eher gut.

 

Badri kandidiert ebenfalls bei der Präsidentschaftswahl in Georgien. Ich sagte übrigens: Wäre ich Präsident, würde ich ihn zum Ministerpräsidenten ernennen. Ein sehr kluger Mensch, versteht sich darauf, mit Geld umzugehen, beschäftigte sich gründlich mit Wohltätigkeit, gab viel dafür auch, er genießt bei uns nicht nur Achtung, sondern auch Liebe.

 

Aber gegenwärtig ist er nicht in Tiflis. Es wurden irgendwelche Sachen über ihn ausgegraben. Ich weiß nicht, ob gesetzlich oder ungesetzlich, es heißt, es sei ungesetzlich.

 

RIA Novosti: Gestatten Sie mir eine Frage über die Präsidentschaftswahl in Russland. Wie stehen Sie dazu, dass der Name des künftigen Präsidenten faktisch bekannt ist?

 

Schewardnadse: Sehr wichtig ist für mich, dass Putin in der einen oder anderen Form der Mann Nr. 1 bleibt. Weil er die Mehrheit im Parlament hat und weil das Volk ihn achtet. Medwedew ist im Volk nicht so gut bekannt wie Putin. Deshalb wird Putin, falls er Ministerpräsident wird, im Grunde trotzdem Nr. 1 sein. Über Medwedew habe ich gehört, dass er ein gebildeter, sachkundiger Mensch ist, persönlich aber kenne ich ihn nicht.

 

RIA Novosti: Gibt es ein Rezept für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Georgien und Russland?

 

Schewardnadse: Alles hängt von den führenden Politikern ab. Ich meine nicht den künftigen Präsidenten Medwedew, sondern Putin und den Mann, der in Georgien gewählt wird.

 

Es bedarf eines Entgegenkommens von beiden Seiten, und den ersten Schritt muss der georgische Präsident tun. Wenn aber Putin die Initiative ergreift, wird ihm sicher zur Ehre gereichen, und alle werden der Meinung sein, dass er ein großmütiger Mensch ist.

 

20.12.07  RIA Novosti