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1. Vorsitzender Eugen W. Krammig, Am Maintor 8, 63456 Hanau - Steinheim am Main
Tel: 0171 / 62 10 121 Fax: 06181 / 650573


AKTUELLES

Schlimme Zeiten

Hallo meine Freunde,

Einige von Euch sind in Georgien, während dieser fürchterliche Krieg abläuft. Ich kann mir vorstellen, wie es sich anfühlt, die Bilder im TV zu sehen, die nur wenige Kilometer entfernt Wirklichkeit sind. Das Gefühl, wenn man die Explosionen nahe Tiflis donnern hört.

Ich sitze seit Tagen vor dem Computer und bin fassungslos. Ich bin nicht überrascht, aber unendlich enttäuscht, dass es so weit gekommen ist.

Auch als Fotograf bin ich unglaublich enttäuscht, dass ich nicht in Georgien sein kann, um diese Tragödie zu dokumentieren, obwohl ich es mir doch so sehr vorgenommen hatte.

Heute ist dieser Krieg aber auch für mich im fernen Deutschland persönlich fühlbar geworden. Seit Tagen hatte ich keinen Kontakt mehr zu meinen Freunden, die als Journalisten über den Krieg berichten wollten.

Eine zufällige Meldung aus Zchinvali im russischen Fernsehen hat mich heute morgen sehr beunruhigt und ich habe begonnen von New York über Moskau bis Tiflis zu telefonieren, um etwas über das Schicksal meines guten Freundes und Fotografenkollegen Sascha in Erfahrung zu bringen.

Sascha war zusammen mit anderen Journalisten in Zichnvali, als die georgische Armee dort einmarschierte. Die Kämpfe müssen unbeschreiblich heftig gewesen sein, in die die Jungs da geraten sind. Nur ein amerikanischer Journalist überlebte mit einem Beinschuß. 2 Tage hat er in dem dunkeln Keller des zu Schutt zerschossenen Krankenhauses im umkämpften Zchinvali verbracht, bis ein Kamerateam ihn fand.

Mittlerweile soll er nach Russland evakuiert worden sein.

Nach sechs Stunden pausenlosen recherchierens zeichnete sich dann ab, dass Sascha und sein bester Freund Giga, den ich auch gut kannte, im Kugelhagel ums Leben gekommen sind. Sascha wurde 27 Jahre und Giga lässt seine über alles geliebte Frau mit zwei Kindern zurück.

Die Lage in Zchinvali ist noch immer so unübersichtlich, dass nicht klar ist, ob die beiden überhaupt gefunden werden und ein angemessenes Grab bekommen können. In einem Chaos aus Schutt & Feuer, in Kellern eingeschlossenen Menschen, zerstörten Wasser- und Gasleitungen und vielleicht über 2.000 Leichen auf den Straßen, darf da schlimmerweise nichteinmal verwundern.

Vor einem Jahr war ich in Zchinvali. die Lage war damals angespannt, die Ossetien hatten Angst vor einer georgischen Invasion. Georgien hatte einen Marionetten-Präsident in der Region installiert, der an der Leine Saakaschwilis ein paar georgische Dörfer in Südossetien kontrollierte.

Es gab regelmässig Schießereien, gelegentlich keinere Minen- und Möserattacken. Aber es wurde auch gebaut in der Stadt, die noch immer vom Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre geprägt war. In dem großen Saal, in denen die Südossetien ihre Unabhängikeit nach dem Zerfall der UdSSR verkündeten, übten zwei Tänzerinnen, trainiert von zwei Männern. Die Veteranen tranken auf Ihre Heldentaten und die Jugendlichen waren bereit zu den Waffen zu greifen, würde eines Tages die Georgier wiederkommen.

Ansonsten wollten sie aber auch studieren und möglichst weit im Leben kommen. Kurzum, man ging seiner Weg und versuchte das beste und entspannteste aus seinem leben zu machen. Ich bin vielen Menschen auf beiden Seiten begegnet, manche habe ich auch besser kennenlernen dürfen.

Heute sind viele Gebäude, in denen ich war nur noch Ruinen, aus denen Rauchsäulen aufsteigen. Was aus meinen Bekannten dort in Zchinvali und den georgischen Dörfern geworden ist, lässt sich derzeit nicht herausfinden.

Ich bin rastlos und voller Tatendrang, doch im Moment kann ich nichts weiter tun, als zu hoffen, dass alle meine georgischen und ossetischen Freunde wohlauf sind und es auch bleiben. Zwei Freunde, denen niemand mehr helfen kann, müssen genug sein.

Habt alle ein ruhige Nacht.

Jenen, die in Georgien sind wünsche ich alles Gute und einen schnell zurückkehrenden Frieden im Land.

Timo



 

 

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